Andamanen und Nikobaren

6 Wochen

Havelock Island

Es ist ger­ade mal einen Tag her, als ich auf den Andama­nen, genauer gesagt Have­lock Island, angekom­men bin. Ich bin schon jet­zt so run­terge­fahren, dass ich wed­er das Inter­net ver­misse noch Gesellschaft. Das soll nicht anti-sozial klin­gen, aber die let­zte Woche war echt anstren­gend – 1 Tag Trichy, 1 Tag Than­javur, 2 Tage Pondicher­ry und anschließend 2 Tage Maha­balipu­ram. 4 unglaublich schöne und viel zu bietende Städte von inner­halb ger­ade mal ein­er Woche haben mich ein bißchen aus­ge­knockt, so dass ich hier auf den Andama­nen (ich sitze ger­ade im Full Moon Café auf Have­lock, das mir von ein­er Fre­undin aus Maha­balipu­ram emp­fohlen wurde) die Stille und Ein­samkeit genieße. Have­lock ist ger­ade schon so touris­tisch, dass ich schon nach einem Plätzchen suchen muss, um ein­sam zu sein. Der Strand Nr. 5 (Kala Pathar Beach) eignet sich dafür beson­ders gut! Auch wenn ich zunächst auf eine große Herde von indis­chen Touris­ten am Anfang des Stran­des gestoßen bin, habe ich nach ca. 10,15 Minuten das Paradies ent­deckt. So paradiesisch, dass ich mich ohne Prob­leme auf einem großen Baum­stamm, der halb im Wass­er und halb noch am Strand lag, umziehen kon­nte und zweitweise kom­plett nackt den Ozean und das Pal­men­paradies dahin­ter vom Baum­stamm aus genoss (nur kurz ;-))! Ein paar Tage später suchte ich den gle­ichen Strand nochmals auf und ging dieses Mal bis zum Ende. Auf dem Weg dor­thin kamen mir lediglich 6 ein­heimis­che Jungs und 1 Fis­ch­er ent­ge­gen! Da Ebbe war, zeigte sich das mit Steinen über­säte Meer von sein­er kanti­gen Seite. Am Ende des Stran­des erblick­te ich dann einen ca. 50 m bre­it­en Abschnitt ohne Steine, der wie dafür gemacht schien genau an dieser Stelle ins Meer zu hüpfen und meinem aufgewärmten Kör­p­er eine willkommene Abküh­lung zu bescheren! Ich genoss die Ein­samkeit sehr und set­ze mich für län­gere Zeit ans Ufer und ließ die seicht­en Wellen über meine Beine kullern. Auch die aufziehen­den Wolken kon­nten meine Stim­mung nicht min­dern. Nach einiger Zeit entschloss ich allerd­ings aufzubrechen, da ich noch zum Ele­phant Beach und abschließend den Son­nenun­ter­gang am Rad­hana­gar Beach genießen sollte. Der Ele­phant Beach ist nur über einen ca. 45 min. Track durch den Dschun­gel erre­ich­bar. Damit wohl nie­mand ver­loren geht, ist der Track nur von 8 Uhr mor­gens bis 13 Uhr geöffnet. Nach 13 Uhr ist kein Ein­lass mehr. Daher bin ich direkt von dort zum Rad­hana­gar Beach gefahren…es war immer­hin schon 15 Uhr! Und am näch­sten Mor­gen sollte meine Fähre nach Neill Island erst um 12:30 gehen; es war also noch reich­lich Zeit am näch­sten Tag.

Am Rad­han­ag­er Beach angekom­men, der übri­gens zum schön­sten Strand Indi­ens und zu den Top 7 Asiens gekürt wurde, ging ich ca. 30 min gen Nor­den, um halb­wegs alleine am Strand zu sein. Es war prop­pen­voll, als ich am Strand ankam. Ein klein­er Spazier­gang am Strand tat nicht nur meinem Ruheempfind­en gut, son­dern auch meinen Füßen. Nach einiger Zeit kam ich an einem Ver­botss­child an, welch­es darauf hin­wies, das Salzwass­er-Krokodile in der Gegens seien und das Schwim­men daher an diesem Abschnitt ver­boten sei. Ich hat­te meine tägliche Schwimm­ra­tion bere­its bekom­men und chillte deshalb auf den Steinen dem Son­nenun­ter­gang ent­ge­gen. Außer mir waren noch ein paar Touris und unzäh­lige Kreb­se und Krabben zuge­gen, die wohl eher die aufk­om­mende Flut ersehn­ten als die unterge­hende Sonne. In den Wolken spiegelte sich das Orangerot der Sonne wider, welch­es in meinem Gehirn die Sehn­sucht­srezep­toren durch­drin­gend aktivierte!

Auf dem Rück­weg zum Roller erblick­te ich die gesamte Schön­heit des Stran­des, welche mir vorher durch die Touris­ten­massen ver­bor­gen blieb: zu mein­er linken türmten sich wild verwach­sene Bäume, Sträuch­er und Pal­men auf, deren ver­schiedene Grün­far­ben auf den Garten Eden hin­deuten ließ! Der Rad­han­ag­er Strand trägt zurecht die Ausze­ich­nung eines Paradies-Stran­des! Der Rück­weg mit dem Roller war weniger schön, aber dafür sehr aben­teuer­lich, da das Licht nicht funk­tion­ierte. Der Weg zurück zur Haupt­straße scheint durch den geschlän­gel­ten Straßen­ver­lauf länger zu sein, als er per Luftlin­ie angegeben wird. So kamen mir die 8 km wie 20 km vor und in der Dunkel­heit war es ein­fach sauge­fährlich, von den ent­ge­gen kom­menden Autos, Rollern und Tuk­Tuks ange­fahren wer­den! Zum Glück fan­den sich recht schnell 2 weit­ere Roller­fahrer, die jew­eils vor und hin­ter mir fuhren. So hat­te ich nicht nur Beleuch­tung von hin­ten, son­dern auch Schutz von vorne vor den ent­ge­gen kom­menden Vehikeln! An der Haupt­straße angekom­men fuhr ich zunächst zum „Sev­en Heav­en“, einem Klam­ot­ten- und Schmuck-Geschäft, mit dessen Besitzer ich mich 3 Tage zuvor ange­fre­un­det hat­te und der mich tags davor zum Mit­tagessen bei sich zu Hause ein­lud (was übri­gens sauleck­er war!!! Gar­ne­len­pas­ta mit selb­st­gemachter Ingwer‑, Knoblauch- und Limet­ten­sauce in Olivenöl). Nach einem kurzen Zwis­chen­stopp ging es weit­er zu meinem schnuck­e­li­gen Bun­ga­low im Impe­r­i­al Gar­den Resort, wo ich schnell duschte und mich ein vor­erst let­ztes Mal zu meinem Lieblingscafé und ‑restau­rant, dem Full Moon Café, auf­machte. Ich hoffe inständig, dass ich auf Neil Island einen ähn­lich zubere­it­eten, in Bam­bus gegarten Fisch mit Ingewer‑, Limet­ten­soße finde 🙂

Als Zwis­chen­snack kann ich Dir übri­gens sehr Masala Chaat ans Herz leg­en! Für 100 Rupi­en bekommst Du einen Teller mit Man­go, Papaya, Ananas, Apfel, Stern­frucht und Gurke plus Masala (wenn Du möcht­est, natür­lich geht’s auch ohne…ich liebe es mit Masala!).

Mein Lieblings Masala Chaat „Geschäft“ liegt gegenüber des Joye Grand Beach Resort und ist eigentlich nur ein Kar­ren mit Obst und Kokos­nüssen, der von einem sehr fre­undlichen Inder aus Kalkut­ta betrieben wird! Diesen Stand werde ich sicher­lich ver­mis­sen, wenn ich zurück auf dem Fes­t­land bin …. Soweit ich die Kapaz­itäten habe etwas zu vermissen 🙂

Neil Island 

Am näch­sten Tag ging es mit­tags nach Neil Island. Diese Insel ist ca. ¼ so groß wie Have­lock und die Unter­wasser­welt ist ein Traum! Da ich von Have­locks Unter­wasser­welt recht ent­täuscht war, senk­te ich meine Erwartun­gen fürs Tauchen auf Neil Island. Mein Tauchguide Prashant, mit dem ich mich später anfre­un­dete und der mich zum Holi-Fest Mitte März in seine Geburtsstadt Mathu­ra in Rajasthan ein­lud, zeigte mir in den 2 Tauchgän­gen, die wir macht­en, die Schön­heit des Andama­nensees unter Wass­er. Tausende von bun­ten Bana­nen­fis­chen und andere formierten sich zu großen Schwär­men, durch die ich hin­durch­tauchte und mich selb­st wie ein­er von ihnen fühlte! Große Trig­ger­fis­che, Bana­nen­fis­che, Okto­pusse sowie Rochen begrüßten uns. Ich genoss die Tauchgänge so sehr, dass ich gar nicht wieder auf­tauchen wollte!

Am zweit­en Tag lernte ich Nitou, einen Ein­heimis­chen, ken­nen, der mich zu einem geheimen Strand führte. Der Pfad ging durch einen Wald mit wun­der­schö­nen alten Bäu­men, deren Wurzeln faszinierende For­men annah­men, die die Schön­heit der Ortes unter­strichen. Am Strand angekom­men trafen wir ein paar Tauch­lehrer, die eben­falls die Ein­samkeit und Schön­heit der kleinen Bucht genossen. Zurück ging es dann am Strand ent­lang, wo ich eine alte Whiskey-Flasche mit dem Schriftzug „Free­dom“ fand, die ich mit­nahm und schon als Blu­men­vase ste­hend in meinem Wohnz­im­mer sah. Ein kleines, aber im nach­hinein ziem­lich lustiges Miss­geschick möchte ich an dieser Stelle nicht ver­heim­lichen: Am zweit­en oder drit­ten Abend radelte ich mit meinem Fahrrad, was ich gemietet hat­te, im Dunkeln, lediglich mit ein­er Stirn­lampe bewaffnet, zu mein­er Bam­bushütte. Auf dem Weg dor­thin verf­ing sich der Zipfel meines lan­gen Klei­des in der Fahrrad­kette und diese Block­age riss mir bin­nen weniger Sekun­den mein Kleid vom Leib und ließ mich halb­nackt auf der Straße zurück! Ich trug kein Oberteil, hat­te aber zum Glück einen recht nor­mal­großen Schlüpfer an, der mich allerd­ings durch seine beige Farbe von Weit­em aus wie eine ver­rück­te nack­te weiße Frau ausse­hen lassen haben muss. Nie­mand hielt an, um mir zu helfen und ich selb­st bekam das die Stoff­fet­zen, die die Block­age im Ket­tengetriebe verur­sachte, nicht alleine her­aus. Zum Glück hat­te ich noch einen dün­nen Sei­den­schal mit, den ich mir um meine Brüste und um den Hals band, um nicht kom­plett nackt auf der Straße zu ste­hen. Nach ca. 10 minütigem erfol­glosem Herumge­fum­mel bekam ich zum Glück Hil­fe von 2 Typen, die mich noch auf das Shiv­ara­tri-Fest ein­lu­den. Lei­der sah ich sie nie wieder auf Neil Island.

 

Campbell Bay

Ich traf viele über­aus nette Ein­heimis­che und Touris­ten auf Neil Island und eine Begeg­nung änderte meine Reise­pläne kom­plett: Mein Flug Anfang März nach Hanoi wurde gecan­celt und mein Fre­und aus Ham­burg sagte unseren Motor­rad Trip von Hanoi nach Say­gon wegen des Coro­na Virus ab. So entsch­ied ich mich bis Mitte April in Indi­en zu bleiben. Mein Rück­flug nach Kalkut­ta sollte am 26.02. gehen und ich über­legte, ob ich nicht noch länger bleiben sollte. Abends lernte ich San­jay, einen Ein­heimis­chen ken­nen, der mit seinem Kumpel Yann aus Frankre­ich am 26.02. von Port Blair aus nach Camp­bell Bay auf die Nico­baren wollte. Bei­de kan­nten sich schon seit etwa 10 Jahren und sind Fis­ch­er. Sie sprachen schon im Vor­wege über die ca. 60 cm großen Krabben und vie­len Shrimps und Fis­che, die sie fis­chen und zum Din­ner essen wür­den … Mjam­mi!! Die Schiffreise dor­thin dauert etwa 24 Stun­den und die Fähre fährt nur ein­mal pro Woche. Ein echt­es Aben­teuer! Ich entschloss ganz spon­tan, die 2 zu begleit­en, can­celte meinen Flug nach Kalkut­ta und buchte einen neuen Flug für den 8.3. nach Del­hi, um pünk­tlich zum Holi-Fest in Mathu­ra anzukom­men. Während ich diese Zeilen schreibe, liege ich in meinem Bett auf dem Schiff und lasse die Geschehnisse der let­zten Tage Revue passieren. Meine „Abteilung“ auf dem Schiff teile ich mit ein­er ein­heimis­chen Fam­i­lie von den Nico­baren, die mit einem kleinen Kind, 8 Monate, reisen. Lum, der Fam­i­lien­vater, zeigte mir stolz die Videos von den Tänzen seines Stammes, ger­ade mal 260 Ein­wohn­er stark. Er entschuldigte sich für seine schlecht­en Englis­chken­nt­nisse und sagte mir, dass sein Vater 6 Sprachen spricht. Ich durfte mit sein­er 8 Monate alten Tochter spie­len, sie auf den Arm nehmen, knud­deln und auf die Stirn küssen. Das Ver­trauen und die Hingabe von diesen Men­schen, die mich ger­ade mal 1 Stunde ken­nen, ist mit Worten schw­er zu beschreiben.

Schif­fahrten sind anders als Flüge, Bahn- oder Aut­o­fahrten. Das Schiff legt langsam ab, die Leinen wer­den gelöst, die Treppe wird mit einem Las­ten­heber „wegge­fahren“ und das Schiff ver­lässt langsam den Hafen. Während ich auf dem Schiff, inzwis­chen schon ein paar Meter ent­fer­nt vom Land, stande und wir langsam den Hafen ver­ließen (ich weiß, eigentlich bin ich ger­ade erst von der Erzählper­spek­tive angekom­men, manch­mal ist es aber schön das Pferd von hin­ten aufzusat­teln) ver­spürte ich noch ein­mal die geballte Ladung der Natur und sog diese Ursprünglichkeit, die mich in den let­zten 7 Tagen genährt und durch­bohrt hat­te, auf. Ich erin­nere mich, wie ich am Strand Nr. 8 lag, auf dem einzig ein ver­lassenes Häuschen ste­ht, welch­es noch vom Tsuna­mi im Jahr 2004 zeugte. Wie ich unter den Bäu­men am Strand lag, den weißen, feinen und aufgewärmten Sand auf mein­er Haut spürte, den Wellen zuschaute und lauschte, wie sie sich manch­mal san­ft, manch­mal mit etwas mehr Kraft, gegen das kleine Riff auftürmten und dieses wohl nach ein paar Jahrhun­derten oder Jahrtausenden glatt gespült sein würde. Die zwei Fis­ch­er, mit denen ich unter­wegs war, gin­gen ans andere Ende des Stran­des, wo sich bessere Angler-Gegeben­heit­en boten. Es war toll 2 Abende den selb­st gefan­genen Fisch in Tumer­ic-Knoblauch- oder Tomat­en-Knoblauch-Mari­nade zu essen und mit Motor­rädern über die Insel zu düsen. Nichts­destotrotz war ich froh, als ich wieder etwas mehr Zeit für mich hat­te und auch weniger abhängig war. Wir mieteten uns 2 Motor­räder und erkun­de­ten die Insel. Dabei ent­deck­ten wir wun­der­schöne Strände, tolle Schnorchel­riffe und cruis­ten durch den urba­nen und wild-verwach­se­nen Regen­wald Great Nico­bars. Die Straßenbeschaf­fen­heit war eher etwas her­aus­fordernd, aber für einen geübten Cruis­er mach­bar. Der Indi­ra Point, welch­er der südlich­ste Punkt Indi­ens ist (schon lustig, wenn man mal bedenkt, dass die Nico­baren viel näher bei Indone­sien liegen und Indi­en so ein riesiges Land ist), ist bekan­nt als „Schild­kröten-Strand“. Dort leg­en sie ihre Eier ab und die kleinen Baby-Schild­kröten schlüpfen nach 2,3 Monat­en. Ohne Erlaub­nis der Polizei ist der Strand zuguter­recht nicht betret­bar. Die ursprüngliche Natur lässt einen zu sich selb­st find­en, bzw. drängt sie einen das inner­liche Hin­weiss­child „Hier ent­lang“ auf sub­tile und liebliche Weise wahrzunehmen. Ich bin etwas sehn­süchtig wieder zurück­z­u­fahren. Obgle­ich ich mich schon aufs Holi-Fest in Mathu­ra freue hin­ter­lässt die Insel einen tiefen Ein­druck bei mir. So richtig finde ich keine passenden Worte, die beschreiben, wie die Insel in mich einge­taucht ist oder eben ich in die Insel.

Little Andamanen 

Zurück in Port Blair beobachtete ich die Sit­u­a­tion bezüglich der Coro­na Virus Pan­demie beseelt und entspan­nt. Ich wollte eigentlich nach Mathu­ra zum Holi Fest, mein dor­tiger Gast­ge­ber emp­fahl mir allerd­ings auf den Andama­nen zu bleiben. Gar nicht so schw­eren Herzens can­celte ich ein zweites Mal den Flug aufs Fes­t­land und beschloss weit­ere 2,3 Wochen die Insel­gruppe zu erkun­den. Es kam mir ger­ade recht, dass ich einen Sur­flehrer aus dem Basken­land ken­nen lernte, der einige Surf Boards auf den Lit­tle Andama­nen ver­staut hat­te und auf dem Weg dor­thin war. Wir beschlossen zusam­men weit­erzureisen. Als wir nach ca. 8 stündi­ger Boots­fahrt anka­men, check­ten wir zwei Unterkün­fte ab und ich entsch­ied mich für ein Zim­mer im Hawka Resort (das Zim­mer war mit 1800 Rupi­en recht teuer dort. Ich würde beim näch­sten Mal im Rain­bow Resort qua­si nebe­nan für 400 Rupi­en eincheck­en!). Während der 6 Tage auf den Lit­tle Andama­nen gab mir mein per­sön­lich­er Sur­flehrer eine Surf­s­tunde am qua­si hau­seige­nen Strand, ich machte eine Tour zum größten Wasser­fall der Insel für nur 500 Rupi­en (zu Viert bezahlt man ins­ge­samt 2000 Rupi­en), die mit einem her­rlichen 1.5 stündi­gen Hike durch den Regen­wald ver­bun­den war und schloss dabei Fre­und­schaft mit Kate, Simon und Loren­zo aus Ital­ien. Varuna (mein Reisep­a­rt­ner) und ich fuhren in den Tagen mit dem Motor­rad zum Leucht­turm und macht­en dabei Halt an den paradiesisch schö­nen Strän­den der Insel. Wir lern­ten ein paar Nico­bari Leute ken­nen, die Ein­heimis­chen, die uns mit einem bre­it­en Lächeln begrüßten und uns sog­ar frische Kokos­nüsse direkt von der Palme pflück­ten und zum Verzehr anboten!

Ich trotze den Nachricht­en bezüglich der Aus­bre­itung der Pan­demie, allerd­ings fiel es mir zunehmend schwieriger ruhig zu bleiben. Mein Reisep­a­rt­ner machte mich stetig ver­rück­ter und malte Hor­rorszenar­ien aus, wobei ich ihm am lieb­sten ein Pflaster auf den Mund gek­lebt hätte! Als wir zurück nach Port Blair kamen entschloss ich daher etwas Abstand von ihm zu nehmen und ver­suchte Einkehr und innere Ruhe zu spüren. Im LaLa­Ji Bay Hotel traf ich Loren­zo, mit dem ich auf den Lit­tle Andama­nen die Regen­wald-Tour gemacht hat­te, wieder, allerd­ings war er noch aufge­brachter als Varuna … Südlän­der eben. Krysz aus Polen und ich hat­ten eher den gle­ichen Vibe und daher unter­hielt ich mich beson­ders viel mit ihm, um der hiesi­gen chao­tis­chen äußeren Sit­u­a­tion zu trotzen. Zu Viert mit Clau­di aus der Schweiz cruis­ten wir durch Port Blair zu anliegen­den Orten und erkun­de­ten die Gegend.

Diglipur (Nord Andamanen)

Nach ein paar Tagen wurde mir der „Coro­na Hype“ zu viel und ich bat meinen Kumpel Nir­man ein Bustick­et für mich in den Nor­den der Andama­nen zu buchen. Ger­ade mal 350 Rupi­en sollte die 11-stündi­ge Bus­fahrt kom­plett vom Süden nach Diglipur kosten – was für ein Schnap­per! Dafür ging es schon um 4 Uhr mor­gens mit dem Local Bus los. Während ich im Bus schlief rum­ste ich lei­der mit mein­er Stirn und mein­er Augen­braue mehrmals an einen Met­all­nip­pel, der am Fen­ster ange­bracht war und zog mir zu ein­er Auge­nentzün­dung eine fette Beule am Auge zu. Die hup­pelige und sehr staubige Bus­fahrt endete im Diglipur Bazar, wo mich ein Tuk­Tuk für 600 Rupi­en zu mein­er Unterkun­ft, dem Pris­tine Resort, brachte. Zu meinem Plan gehörte ein paar Tage im Nor­den zu bleiben, zum Sad­dle Peak sowie Ross und Smith Island zu fahren, dann weit­er in den mit­tleren Andama­nen in Mayabun­der in ein­er typ­isch ein­heimisch ein­gerichteten Unterkun­ft zu leben und weit­er nach Long Island zu düsen. Von Long Island aus sollte es anschließend zurück nach Port Blair gehen. Lei­der wurde aus alle­dem nichts, da auf­grund von Sicher­heits­maß­nah­men alle ´Ent­deck­ungs­touren´ geschlossen hat­ten. Nach 4 Tagen im Pris­tine Resort entsch­ied ich mich daher wieder mit dem Bus zurück zu fahren. Dies­mal dauerte die Fahrt nur 8 Stun­den. Auf der Hin­fahrt hat­ten wir eine Reifen­panne und macht­en mehrmals lange Pausen. Diese fie­len bis auf 2 kurze Pausen aus und so erre­icht­en wir abends, nach 2 Flussüber­querun­gen mit der Fähre und ein­er Polizeiesko­rte durch die ´trib­al´ Gegend Port Blair. Beim näch­sten Besuch werde ich defin­i­tiv eine Fähre zwis­chen Port Blair und Diglipur nehmen!! Diese hat­ten lei­der wegen der Pan­demie keinen Verkehr.

Die Sit­u­a­tion spitze sich weit­er zu: 5 Tage zuvor war ich ohne Prob­leme von Port Blair aus nach Diglipur gekom­men. Auf dem Rück­weg mussten alle Reisenden inkl. mir sich einem Gesund­heitscheck unterziehen, welch­er aus ein­er Fieber­mes­sung und eini­gen Fra­gen zum Gesund­heit­szu­s­tand bestand. Ich bekam eine schriftliche Bestä­ti­gung, dass alles okay sei, und nach ganzen 2.5 Stun­den Warterei kamen wir endlich los. In Ran­gat auf den mit­tleren Andama­nen gab es einen kurzen aber unschö­nen Zwis­chen­fall mit einem Mann, der meinte, sich und andere vor dem Virus schützen zu kön­nen, in dem er mir Fra­gen zum Namen meines Vaters, meines Geburts­da­tums und meinen genauen Aufen­thalt­sorten während mein­er Zeit auf den Andama­nen und Nico­baren stellte. Ich beant­wortete wider­willig seine Fra­gen und machte ihn darauf aufmerk­sam, dass er seine Maske auch richtig tra­gen und regelmäßig wech­seln solle. Den anwe­senden Ein­heimis­chen war diese Sit­u­a­tion sehr pein­lich und sie zahlten sog­ar die Fährüber­fahrt mit dem Schiff für mich als eine Art Wiedergut­machung. Ich habe diese Men­schen in mein Herz geschlossen!

Nach­dem ich in Port Blair ankam ging ich zu mein­er Unterkun­ft und buchte ein Flugtick­et für den 29.03. nach Del­hi. Mein Flieger nach Lon­don sollte am 30.03. gehen. Nur 1 Stunde später erfuhr ich von Rishab, dass alle Inlands­flüge ab dem 25.03. in Indi­en eingestellt wer­den sollen. Er hat­te die Nachricht ger­ade von einem befre­un­de­ten Piloten bekom­men. Schnell buchte ich einen Flug für den kom­menden Tag zum Wucher­preis, war aber glück­lich, noch rechtzeit­ig nach Del­hi zu kom­men. Ich sitze ger­ade übri­gens im Flieger von Port Blair via Chen­nai nach Delhi 😉

Am Flughafen traf ich das ital­ienis­che Pärchen und Markus aus Kali­fornien wieder. Markus tat mir wirk­lich leid: war er extra zum Sur­fen von den Philip­pinen via Malaysia und Indi­en auf die Andama­nen geflo­gen. Er wollte auf den Lit­tle Andama­nen sur­fen gehen und kam am zweit­en Tag wegen Fieber in Quar­an­täne, so dass seine lange Anreise kom­plett wider Erwarten für die Katz war und im Kranken­haus endete. Zum Glück hat­te er nur eine kurze Erkäl­tung. Des Weit­eren machte ich am Flughafen in Port Blair Bekan­ntschaft mit Sophia aus Öster­re­ich (schon die zweite Sophia aus Öster­re­ich, die ich in Indi­en ken­nen lerne ;-)). Wir unter­hiel­ten uns sehr angeregt und kamen schnell zu dem Schluss, dass wir eine sehr ähn­liche Sichtweise auf die ganze Sit­u­a­tion haben! Ich bin auf jeden Fall ges­pan­nt weit­er­hin mit ihr in Kon­takt zu bleiben und zu hören, wie es ihr in Südostasien geht!

“Die ursprüngliche Natur lässt einen zu sich selb­st find­en, bzw. drängt sie einen das inner­liche Hin­weiss­child „Hier ent­lang“ auf sub­tile und liebliche Weise wahrzunehmen. Ich bin etwas sehn­süchtig wieder zurückzufahren.”

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